{"id":174,"date":"2023-09-05T08:23:41","date_gmt":"2023-09-05T06:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.annalerntleben.de\/?p=174"},"modified":"2023-10-02T23:19:22","modified_gmt":"2023-10-02T21:19:22","slug":"schwarz-und-weiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.annalerntleben.de\/?p=174","title":{"rendered":"Schwarz und Wei\u00df"},"content":{"rendered":"\n<p>Schwarz und Wei\u00df, gut und schlecht, hell und dunkel, oben und unten, hoch und tief, innen und au\u00dfen, lieben und hassen, lachen und weinen usw. &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Warum schreibe ich das? Ein Symptom meines St\u00f6rungsbildes ist das typische schwarz-wei\u00df-Denken bzw. kann es auch ein entweder-oder-Denken sein. Ich w\u00fcrde es in meinem Fall auch schwarz-wei\u00dfe Lebensweise oder schwarz &#8211; wei\u00dfes Handeln nennen. <\/p>\n\n\n\n<p>Durch viele fr\u00fchere Erfahrungen habe ich gelernt, dass Angepasstsein mehr Erfolg, Anerkennung und Lob einbringt, als &#8220;ich&#8221; bzw. &#8220;echt&#8221; zu sein. Ich habe dieses Angepasstsein perfektioniert, bin eine Meisterin der Alltagscamouflage geworden. So handle ich z. B. oft schon bevor mein Gegen\u00fcber seinen Wunsch ge\u00e4u\u00dfert hat, ich widerspreche fast nicht, bin so gut wie immer der Meinung meines Gegen\u00fcbers, gehe mehr auf die Bed\u00fcrfnisse des Anderen ein, als auf meine &#8211; die ich in den Momenten oft auch gar nicht sp\u00fcre, ich konstruiere eine gl\u00e4nzende Maske, zeige mich verst\u00e4ndig und reflektiert, biete dem Gegen\u00fcber damit Harmonie, Verst\u00e4ndnis und Wohlbefinden usw. Die Liste ist unendlich lang und betrifft alle meine Lebensbereiche &#8211; zumindest fast alle. <\/p>\n\n\n\n<p>Es wundert mich nicht, dass ich oft die R\u00fcckmeldung bekomme wie angenehm meine Anwesenheit ist und wie gern Menschen mit mir befreundet sind. Es gibt so gut wie nie Konflikte und der Andere bekommt fast den gesamten Raum. <\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fchselig lerne ich, bzw. probiere mich aus, nicht nach dem Schema der Angepasstheit zu handeln. Das ist eine Mammut Aufgabe und gelingt mal mehr und meist weniger. Es erfordert viel Kraft und Willensst\u00e4rke und f\u00fchlt sich nicht immer gut an, wenn z.B. das Gegen\u00fcber als Reaktion negative Emotionen zeigt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich schrieb es betrifft fast alle Lebensbereiche &#8211; und damit meine ich das therapeutische Setting. Zu Anfang schlug auch hier das Muster voll zu, ich wollte die beste, liebste, reflektierteste, verst\u00e4ndnisvollste, schlimmste und kr\u00e4nkeste Patientin sein. Doch mit der Zeit machte ich die Erfahrung, dass ich letztendlich f\u00fcr mich in der Therapie bin und nicht um irgendwelche Therapeuten zu beeindrucken oder nach deren Mund zu reden und zu handeln (trotz dieser Erkenntnis falle ich immer wieder in das Verhaltensmuster zur\u00fcck). Also musste ich umdenken. Auch hier war ein Prozess n\u00f6tig. <\/p>\n\n\n\n<p>Und tats\u00e4chlich konnte ich in der letzten, langj\u00e4hrigen Therapie die Erfahrung machen, dass die Therapeutin die Arbeit mit mir nicht hinschmei\u00dft nur weil ich nicht mehr die angepasste Patientin bin. Und so kroch ich immer mehr hinter der Angepasstheit hervor. Nachdem ich es geschafft hatte mich vollst\u00e4ndig zu zeigen, auch mit den negativen und destruktiven Anteilen, begann sich allerdings diese Seite zu verselbst\u00e4ndigen. <\/p>\n\n\n\n<p>So wurde ich im Au\u00dfen und im Privaten wieder angepasster, reflektierter, &#8220;ruhiger&#8221; und vermeintlich &#8220;ges\u00fcnder&#8221;, w\u00e4hrend ich in den therapeutischen Settings &#8220;laut&#8221; war und den &#8220;kranken&#8221; Anteilen den Raum \u00fcberlie\u00df. Dass sich das nicht nach einer Person anf\u00fchlte war schnell klar. Ich glaube dass ich u.a. deswegen wieder mit dem Schreiben hier auf der Seite begonnen habe. In der Hoffnung die beiden kontr\u00e4ren Seiten \/ Anteilen wieder etwas anzun\u00e4hern. Ihnen eine Stimme zu geben, auch au\u00dferhalb von Therapie. Funfact am Rande &#8211; es haben ja gerade ALLE therapeutischen Beziehungen geendet. Na wenn das kein Zeichen ist?!<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Schreiben kam mir der Gedanke, dass es in dieser Hinsicht gar nicht so falsch ist &#8220;schwarz-wei\u00df&#8221; zu sein. Dass sich die kranken Anteile in der Therapie zeigen (d\u00fcrfen). Denn ob meine privaten Beziehungen damit belastet werden sollen? Das m\u00f6chte ich nicht, ich kann es nicht ertragen die Sorge und Angst in den Augen meiner Lieben zu sehen. Ich m\u00f6chte nicht dass sich die Menschen die mir wichtig sind, so f\u00fchlen wie ich, wenn ich ungefragt eine Leidensgeschichte pr\u00e4sentiert bekomme. F\u00fcr mich ist es ein gro\u00dfer Unterschied, ob ich frage wie es dem anderen geht oder ob ich seine Probleme und Leiden ungefragt \u00fcbergest\u00fclpt bekomme. Ich bin daf\u00fcr zu durchl\u00e4ssig, das prominent pr\u00e4sentierte Leiden nimmt mich ein, fesselt mich, dringt in meine Zellen, l\u00e4sst mich das Leid sp\u00fcren, ich habe keine Chance mich zu sch\u00fctzen und gehe schwer belastet aus so einem Kontakt. Wenn ich aber mein Gegen\u00fcber frage wie es ihm geht, kann ich mich drauf vorbereiten, mich wappnen und mich sch\u00fctzen, falls erforderlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich schaffe es allerdings nicht das Innere nach au\u00dfen zu zeigen. Und damit w\u00e4re die Therapie der Ort an dem die &#8220;schwarze&#8221; Seite ihren Raum hat und in privaten Beziehungen darf ich &#8220;wei\u00df&#8221; sein. Und damit w\u00e4re ich trotzdem &#8220;eins&#8221;. Meine Vorstellung war \u00fcberall &#8220;grau&#8221; zu sein. Doch von fr\u00fcher wei\u00df ich, wie langweilig, unscheinbar und unsichtbar das macht. Und wenn ich ehrlich bin, liebe ich ja schon etwas das Extreme&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwarz und Wei\u00df, gut und schlecht, hell und dunkel, oben und unten, hoch und tief, innen und au\u00dfen, lieben und hassen, lachen und weinen usw. &#8230; Warum schreibe ich das? Ein Symptom meines St\u00f6rungsbildes ist das typische schwarz-wei\u00df-Denken bzw. kann es auch ein entweder-oder-Denken sein. Ich w\u00fcrde es in meinem Fall auch schwarz-wei\u00dfe Lebensweise oder schwarz &#8211; wei\u00dfes Handeln nennen. 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