{"id":184,"date":"2023-11-09T22:13:43","date_gmt":"2023-11-09T21:13:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.annalerntleben.de\/?p=184"},"modified":"2023-11-09T22:13:43","modified_gmt":"2023-11-09T21:13:43","slug":"verlust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.annalerntleben.de\/?p=184","title":{"rendered":"Verlust"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich m\u00f6chte heute \u00fcber eine bereits etwas zur\u00fcckliegende Situation schreiben &#8211; wobei ganz verwunden habe ich sie noch nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Es geht um die Beendigung der Therapie bei Frau M. Ich war ja insgesamt 11 Jahre bei ihr. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe eine diagnostizierte gemischte Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung aus Borderline und Dependenten Anteilen. Dies hat zur Folge, dass ich unter massiven &#8211; fast bis zu existenziell bedrohlichen &#8211; \u00c4ngsten leide verlassen zu werden. Nat\u00fcrlich wei\u00df mein Kopf, dass meine Welt nach einer Trennung \/ einem Verlust nicht unter geht, dass ich deswegen nicht sterben werde &#8211; aber es f\u00fchlt sich dennoch so an. <\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem nicht-wahrhaben-wollen und k\u00f6nnen traten sehr unterschiedliche Gef\u00fchle auf als die Therapie endete.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>innere Leere\u00a0und\u00a0Einsamkeit<\/strong>: als h\u00e4tte man einen Teil von mir entfernt. Da ist pl\u00f6tzlich ein Loch entstanden<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>Verzweiflung:<\/strong> Wie soll ich denn nun weiterleben ohne Frau M. an meiner Seite?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>Probleme im zwischenmenschlichen Bereich:<\/strong> Ich wurde sehr feindselig und ordnete alle anderen Beziehung dem Verlust unter. Ich konnte die N\u00e4he und das Wohlwollen nicht sp\u00fcren, da alles von dem Verlust \u00fcberdeckt war. <\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>Ab und zu Suizidgedanken<\/strong> &#8211; als Folge der Angst ohne sie nicht leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>\u00c4rger und\u00a0Wut\u00a0gegen andere:<\/strong> Eigentlich war es eine Wut auf Frau M., denn in meinen Augen hat sie mich verlassen, mich im Stich gelassen. Doch ich \u00fcbertrug diese Wut auf andere. <\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>Extreme Angst vor dem Verlassenwerden:<\/strong> Da ich merkte wie &#8220;schnell&#8221; es passieren kann verlassen zu werden, kroch die Angst wieder aus ihrem Loch. Was wenn Peter etwas passiert und er nicht mehr da ist? Da ist nur noch pure Panik und Todesangst. Mit der Zeit flachte die Angst etwas ab, aber sie kommt immer wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>tiefsitzender Selbsthass wurde wieder aktiviert<\/strong>: auch das ist ein alter Bekannter: &#8220;war ja klar dass ich verlassen werde, so schlimm wie ich bin&#8221;, &#8220;ich habe mich nicht genug angestrengt, sonst w\u00fcrde sie die Beziehung nicht beenden&#8221;, &#8220;ich kriege nichts auf die Reihe&#8221;, &#8220;ich bin falsch&#8221;, &#8220;ich bin schuld&#8221;&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>Massive Essst\u00f6rung:<\/strong> das Feuer ist wieder entfacht (ausf\u00fchrlicher Post dazu folgt)<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>Viele Selbstverletzungen<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Die innere Leere entstand durch den\u00a0Verlust der Beziehungsperson &#8211; Frau M. Damit war verbunden, dass wichtige meiner\u00a0menschlichen Bed\u00fcrfnisse\u00a0nicht mehr erf\u00fcllt\u00a0wurden. Da der Mensch, auf den sich meine W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte richteten, nicht mehr da war, entstand eine g\u00e4hnende Leere, die so\u00a0be\u00e4ngstigend und grausam\u00a0war, dass eine Depression an seine Stelle trat. Anstatt die Trauer zuzulassen, identifizierte ich mich mit dem Verlust, um Frau M. nicht loslassen zu m\u00fcssen. Jeglicher Schmerz und vorhandene\u00a0Wut, die mit der Trennung einhergingen und urspr\u00fcnglich ihr galten, fielen nun auf mich zur\u00fcck. Ich hielt unbewusst an Frau M. fest, auch wenn ich dabei\u00a0mein Ich als Opfer\u00a0brachte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Definition aus dem Internet:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Begriff der Borderline-Depression:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Kern\u00a0der Borderline-Depression ist immer\u00a0Wut und \u00c4rger, die Reaktionen auf Einsamkeit, Isolierung und Wertlosigkeitsgef\u00fchlen darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Auch ein\u00a0tiefsitzendes Gef\u00fchl der Abh\u00e4ngigkeit\u00a0herrscht vor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Dazu geh\u00f6rt die\u00a0elementare Angst, verlassen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Die\u00a0Bindungen und zwischenmenschlichen Beziehungen\u00a0spielen bei Borderline-Depressiven eine gro\u00dfe Rolle<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Destruktives Verhalten, vor allem Selbstverletzung zur Regulierung der Gef\u00fchle und zum Ausleben von Selbsthass<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 9 Monaten (!) waren die Symptome und Auswirkungen so weit zur\u00fcckgegangen, dass ich wieder f\u00e4hig war konstruktiven Kontakt zu Frau M. aufzunehmen. Gest\u00e4rkt durch die Tagesklinik traute ich mich dann auch an die letzten Stunden und den Abschied. Wirklich &#8220;gef\u00fchlt&#8221; hab ich den allerdings nicht, es war eher wie eine abschlie\u00dfende Formsache. Meine Erkl\u00e4rung dazu ist, dass ich unterbewusst schon keine Emotionen mehr zulassen wollte und konnte um das feine H\u00e4utchen auf der Wunde nicht wieder aufzurei\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich danach mein komplettes weiteres therapeutisches Netz aufl\u00f6st, wusste ich zu der Zeit noch nicht&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte heute \u00fcber eine bereits etwas zur\u00fcckliegende Situation schreiben &#8211; wobei ganz verwunden habe ich sie noch nicht. Es geht um die Beendigung der Therapie bei Frau M. Ich war ja insgesamt 11 Jahre bei ihr. Ich habe eine diagnostizierte gemischte Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung aus Borderline und Dependenten Anteilen. Dies hat zur Folge, dass ich unter massiven &#8211; fast bis zu existenziell bedrohlichen &#8211; \u00c4ngsten leide verlassen zu werden. 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