Kinderlos
Ein schwieriges Thema. Mir war schon immer klar, dass mich das Thema wohl mal einholen wird. Nur nicht wann und wie.
Im Moment macht es mich nachdenklich und etwas traurig. Ich stelle mir viele Fragen: Wie wäre es wohl gewesen Kinder zu haben? Wie wäre mein Leben verlaufen? Hätte es einen Einfluss auf meine Erkrankungen genommen? Wäre ich überhaupt in der Lage gewesen mich um ein Kind zu kümmern? Welche Auswirkungen hätte meine Erkrankung auf ein Kind genommen? Was hätte es für die Beziehung bedeutet? Hätte ich Entscheidungen anders getroffen? Wäre ich genauso viel in Kliniken gewesen? Wie hätten wir es gemeistert mit Kind?
Das sind Fragen, die mir im Kopf rumschwirren. Natürlich alles spekulativ, da es darauf keine Antworten gibt. Da passt der doofe Spruch „hätte, hätte, Fahrradkette“. Ich finde es schon wichtig diesem Thema Raum zu geben. Auch finde ich es berechtigt mir diese Fragen zu stellen und etwas darüber zu brüten. Vielleicht mir auch einige Szenarien vorzustellen und auszumalen. Ganz wichtig ist aber, dass ich immer wieder im Hier und Jetzt ankomme und den Zustand wie er jetzt ist akzeptiere und annehme. Und das tue ich. Wenn ich nämlich so zurückblicke, dann war es immer die richtige Entscheidung keine Kinder zu haben. Dafür war ich einfach immer zu instabil. Und ein Kind ist kein Experiment, das ich mal ausprobieren kann, ob ich es hinkriege oder nicht.
Klar, ich werde mal keine Oma sein, was schon etwas traurig ist, aber selbst mit Kind gibt es keine Garantie dafür. Wer sagt, dass das eigene Kind überhaupt Kinder will. Zumal es schon auch ein recht egoistischer Gedanke ist. Genauso verhält es sich mit der Idee später mal nicht alleine zu sein. Doch wer sagt dass das Kind nicht nach Australien zieht oder vielleicht sogar gar keinen Kontakt will. Ein Kind kann und sollte nicht die Lösung für eigene Probleme sein.
Nichtsdestotrotz betrauere ich die vergebene Chance auf Kinder. Bisher konnte ich immer wählen und frei entscheiden – nun übernimmt es die Natur und ich habe kein Mitspracherecht mehr. Nun ist es Gesetz und ich habe keine Wahl mehr. Es ist endgültig. Das macht einfach was mit dem Gefühl und die Endgültigkeit muss erst ankommen und angenommen werden.
Mir geht es jetzt nicht voll schlecht mit dem Thema. Es sind eher ganz viele Gedanken, die mir so im Kopf rum geistern und immer wieder an die Oberfläche kommen. Dazu ein bunter Haufen an Gefühlen. Ich versuche alles anzunehmen und da sein zu lassen – auch die unangenehmen Gefühle. Denn da klopft dann z.b. auch die Wut über diejenigen an, die vieles verursacht haben, die mit Auslöser meiner Erkrankungen sind. Warum haben sie mir das angetan???
Hier muss ich allerdings stoppen, da es in eine ungute Richtung geht und es mir am Ende sehr schlecht gehen wird. Wichtiger ist es wieder ins Hier und Jetzt zu kommen. Dazu mache ich gerne folgende Übung: ich suche mir etwas buntes und versuche das so detailliert zu beschreiben, so dass ein Blinder eine Vorstellung davon bekommt. Damit bin ich beschäftigt und lenke mich gleichzeitig ab. Wieder bei mir angekommen atme ich noch dreimal tief ein und aus und fühle mich wieder in der Lage am Alltag teilzunehmen.
Es kann gut sein, dass das Thema noch das eine oder andere Mal hochkommt. Ich hoffe dass ich jedes Mal so gut damit umgehen kann.