Schuld

Schuld

Schuld – ein mir nur allzu bekanntes Gefühl. Es geht schon damit los, dass ich mich fast grundlos schuldig fühle, allein für mein Dasein. Dass das nicht gut ist, ist sofort klar. Es ist aber ein langer Weg zu verstehen und vor allem zu fühlen, dass ich dasein darf, dass ich einen Platz auf dieser Welt habe. Das ist ein scheinbar unendlicher, innerer Prozess.

Häufig gibt es aber auch Situationen im Außen bzw. in zwischenmenschlichen Beziehungen in denen einem Schuld zugeschrieben wird – ob bewusst oder unbewusst. Wenn man dann – wie ich – gewohnt ist sich schuldig zu fühlen, dann nehme ich die zugeschriebene Schuld mit offenen Armen an und das Ergebnis ist, dass ich mich total schlecht fühle. Mein erster Impuls ist der Drang die Harmonie wieder herzustellen.

Ein alltägliches Beispiel: eine Freundin und ich hatten länger keinen Kontakt. Schließlich nehme ich wieder den Kontakt auf und bekomme dann die Reaktion warum ich mich so lange nicht gemeldet habe. Zack – ich fühle mich schuldig und schlecht. Warum habe ich mich nicht gemeldet? Wieso tue ich ihr das an? Die Arme nun fühlt sie sich schlecht wegen mir… Mein Kopf bietet mir viele Ideen an schlechten Gedanken an. Meinem Handlungsdrang folgend, entschuldige ich mich ausgiebig, erkläre und rechtfertige mich.

Dies ist allerdings kein Kontakt auf Augenhöhe. Ich bücke mich und mache mich klein. Gleichzeitig verleihe ich dem anderen eine ungemeine Macht über mich. Ich krieche regelrecht zu Kreuze und bin dann abhängig von meinem Gegenüber dass er mich ent – schuldigt und mich sozusagen freispricht.

Dieses Muster ist tief in mich eingebrannt und läuft automatisch ab. Doch ich habe darauf keine Lust mehr. Ich will mich nicht ständig schuldig fühlen. Ich will mich nicht mehr klein machen. Ich will nicht jeden Ball an Schuld fangen. Ich will nicht ständig die Zuständigkeit für die Harmonie in Beziehungen übernehmen.

Deshalb versuche ich nun einen neuen, gesünderen Weg zu gehen. Wie kann das dann im obenstehenden Beispiel aussehen? Ein Kontakt besteht ja aus mindestens zwei Personen, d.h. jeder hat zu 50% die Verantwortung dafür, dass eine Kommunikation statt findet. In dem Fall war ja ich diejenige die den Kontakt gesucht hat. Ich brauche mich für nichts zu rechtfertigen. Scheinbar hat das Gegenüber ein Problem damit, dass länger kein Kontakt stattfand, doch es ist deren Verantwortung damit umzugehen. So hätte sie sich ja auch melden können, wenn ihr der Kontakt wichtig wäre. Ich lasse die Verantwortung bei ihr. Schließlich und letztendlich hätte sie statt mit einem Vorwurf (Du-Botschaft) auch mit einer Ich-Botschaft reagieren können. Z.b. “Ich habe den Kontakt mit dir vermisst” oder auch einfach “ich freue mich von dir zu lesen”. Dabei geht es dann so gar nicht um Schuld.

Innerlich ist es echt ein Kampf mich nicht zu entschuldigen und dem gewohnten Muster zu folgen. Diesmal habe ich die Strategie gewählt den Vorwurf zu ignorieren, denn ich habe auch keine Lust mehr mich zu rechtfertigen. Ich kann mir aber – mittlerweile  – auch vorstellen es anzusprechen was es mit mir macht und was ich mir stattdessen wünsche. Schließlich findet mit so einem Vorwurf keine Verbindung statt, sondern es entzweit eher noch. Aber ich bin ja noch am Anfang der Reise “raus aus der Schuld” und werde sicher auch hin und wieder in alte Muster verfallen. Aber vielleicht wird es nach jedem gelungenen Mal einfacher.

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