Was es heißt mit Misophonie zu leben
Begriffsdefinition:
Wörtlich aus dem Griechischen übersetzt bedeutet Misophonie „Hass auf Geräusche“. Dabei geht es aber nicht um Geräusche im Allgemeinen, sondern um spezielle Geräusche, die Betroffenen überaus unangenehm sind und starke Wut oder Ekel verursachen.
Bei mir sind es folgende Geräusche, die mich triggern:
- Essgeräusche
- repetitive Geräusche wie mit dem Kugelschreiber drücken oder kratzen
- wiederholtes Rascheln
- Nasale Geräusche
- Rachengeräusche
- Schmatzen, Schnalzen
Ohne etwas dagegen tun zu können steigt in mir eine unbändige Wut auf, oftmals gehe ich mein Gegenüber (fast ausschließlich meinen Mann) sehr schroff an. In allen anderen Situationen halte ich “einfach” aus.
Gerade komme ich von so einer Situation. Eine Dame steht im Zug neben mir und macht immer wieder so schmatzend schnalzende Geräusche. In mir kocht es, ich schaue sie immer wieder an, in der Hoffnung sie errät meine Gedanken oder fühlt sich ertappt und hört auf damit. Doch gleichzeitig möchte ich ihr nicht zu nahe treten und ihren Unmut auf mich ziehen. Deshalb bleibe Ich wie angewurzelt stehen. Eigentlich könnte ich einfach gehen, die Situation verlassen, doch ich halte aus, halte still, beiße die Zähne zusammen.
In einem Buch über Misophonie werden Methoden beschrieben, wie ein besserer Umgang damit möglich ist. Mit sehr mäßigem Erfolg.
Richtig interessant oder lehrreich war die Erfahrung mit einer Mitpatientin, deren Schwester unter einer extremen Form der Misophonie leidet und die komplette Familie tyrannisierte. Für mich war der andere Blickwinkel, also aus Sicht des “Beschimpften”, sehr bereichernd und gleichzeitig auch beschämend.
Im Umgang mit meinem Mann hat es zumindest die Veränderung gebracht, dass ich ihn nicht oder kaum mehr verbal angehe.
Je nach innerer Anspannung und Stresslevel, komme ich mal besser und mal schlechter mit solchen Situationen zurecht. Ich sehe auf jeden Fall noch Potential im “für mich sorgen”, indem ich z.B. Situationen verlasse, wie in dem Zugbeispiel.