Ich halte mich nicht aus
Was genau halte ich an mir nicht aus, wenn ich doch auf dem Weg zur Selbstfindung und der Suche nach mir selbst bin?
Ich meine die Gefühle nicht zu ertragen, die mich daran hindern zu funktionieren.
Das Funktionieren, Anpassen und in der Masse nicht auffallen wurde und habe ich mir von klein auf antrainiert. Es dient mir auch als Überlebensstrategie und Schutzmechanismus. Leider hat es nur den Nachteil, dass ich mich oft nicht authentisch fühle.
Dieser innere Konflikt zwischen dem Wunsch ich selbst sein zu wollen, meine Gefühle spüren und leben zu wollen und dem fast noch dringlicheren Verlangen die negativen Gefühle aus dem Dunklen nicht an die Oberfläche kommen zu lassen, ist eine Zerreißprobe.
Mit dem Schutzmantel des Funktionierens, der Verdrängung, dem Kaschieren und Überspielen glaube ich ein Stück weit die Kontrolle zu haben, immer mit der leisen Ahnung, was darunter schlummert und wabert.
Doch gerade wenn ich alleine bin und es abends ist und es nichts mehr zum Kompensieren gibt, kommen die negativen und schmerzhaften Gefühle, die ich unter dem Schutzpanzer in Schach hielt, hervor.
Zweifel, Angst, z.T. Todesangst, Angst vor dem Verlassen werden, Angst zu viel zu sein, Angst vor Zurückweisung, Scham und Schuld, eine unendliche Leere, Sinnlosigkeit…
Regelmäßig bekomme ich depressive Schübe, denn neben der immer wiederkehrenden Angst und dem Druck, das das ständige Kompensieren zur Folge hat, macht sich natürlich auch mehr und mehr die Ahnung in mir breit, dass es kein Entkommen gibt – vor mir. Ich kann mich mir nicht entziehen, so sehr ich es auch versuche.
Manchmal bin ich mir einfach nicht sicher, ob es einen Weg da raus gibt, ob es irgendwann aufhört, ob ich je damit aufhören kann einen Schutzmantel zu tragen, zu verdrängen, kaschieren und kompensieren, denn schon das alleine fühlt sich an, als belüge ich meine Mitmenschen.