Glatteis
So anstrengend, intensiv und kräftezehrend der Klinikaufenthalt auch war, so war ich doch sehr bei und mit mir. Es fühlte sich an, als bekäme ich wieder etwas festen Boden unter den Füßen. Ich hatte mir einiges vorgenommen, was ich ändern und anders umsetzen wollte.
Die ersten drei Wochen nach Entlassung klappte das auch ganz gut. Ich schaffte es regelmäßige Routinearbeiten im Haushalt zu erledigen, geregelt drei Mal am Tag zu essen, frisch zu kochen und auch tägliche Narben- und Körperpflege wie das Eincremen nach dem Duschen auszuführen.
Dann fing es an, dass es mir wieder schwerer fiel und ich nachlässig wurde. Es fing klein an einer Stelle an und wuchs schnell zur Überforderung an. So als würde ich nun nicht mehr auf festem Boden laufen, sondern auf Schotter. Immer wieder rutschte ich weg, konnte mich aber wieder fangen.
Und dann war da plötzlich Glatteis. Rutschig, glatt, unvorhersehbar, haltlos, beängstigend. Ich schlittere und versuche in alten Verhaltensmustern Halt zu finden. In mir macht sich das hoffnungslose Gefühl breit wieder versagt zu haben, es wieder nicht geschafft zu haben, dabei waren meine Ambitionen ehrlich und ernst gemeint. Diese Selbstabwertung ist allerdings auch ein altes Muster.
Wenn ich in dem Bild vom Glatteis bleibe, dann wäre es sicher hilfreich erstmal inne zu halten und zur Ruhe zu kommen. Anschließend kann ich versuchen mit kleinen Schritten vorwärts zu kommen, so lange bis da wieder festen Boden kommt – wenn er denn kommt.