Sucht und suchtartiges Verhalten
Bei dem Thema Sucht fallen einem sofort die Begriffe “Drogensucht” oder “Alkoholsucht” ein, neuerdings vielleicht auch noch “Spielsucht”. Doch auf das Thema Bulimie (Ess-Brech-Sucht) kommt man erstmal nicht unbedingt. Und auf Selbstverletzungen erst recht nicht. Und dennoch können auch diese beiden Verhaltensweisen genauso sein wie die anderen Süchte. Genauso abhängig machen, mit Entzugserscheinungen reagieren wenn das Suchtobjekt nicht verfügbar ist und genauso befriedigend, entspannend, beruhigend sein wenn der nächste “Schuss” folgte.
Ich stelle mir die Frage ob und inwieweit ein Therapieansatz ähnlich dem bei Drogen-/ Alkoholsüchtigen sinnvoll und hilfreich wäre. Wobei da ja eine Therapie immer erstmal mit einem Entzug beginnt. Und das ist beim Essen schonmal nicht machbar. Und bei SVV ist es ja auch nur ein Aspekt der Symptomatik. Da spielen noch Bestrafung, Selbsthass, Spannungsabbau und Emotionsregulation eine Rolle.
Und so bleibt dennoch die Frage welcher Therapieansatz hier wirklich wirkungsvoll und hilfreich ist. Was das Thema “SVV” angeht werde ich Ende Juni nochmal für 10 Wochen zur stationären DBT- Therapie gehen. Beim Thema “Essen” versuche ich gerade über selbst gesetzte Zielvorgaben etwas Ruhe reinzubringen, was nur ansatzweise funktioniert.
Was man auch nicht außer Acht lassen darf ist die Tatsache der langen Dauer der beiden Symptomatiken. Bei SVV liegt diese bei 33 Jahren und bei der Essstörung bei 28 Jahren. D. h. man kann hier von einer Chronifizierung sprechen und
eine vollständige Heilung wird nicht mehr möglich sein. Es geht mehr darum besser damit umgehen zu können und die Symptomatiken zumindest abzuschwächen.
So ganz euphorisch bin ich deshalb nicht mehr, verspreche mir von der DBT- Therapie dennoch einiges. Die Therapie besteht ja nicht nur darin SVV zu lindern, das ist nur ein kleiner Teil. Viel mehr geht es um den Umgang mit Gefühlen, Stresstoleranz und zwischenmenschliche Fertigkeiten, was mir ja auch für die Essthematik helfen kann.
Zudem habe ich – sehr mutig – nochmal einen Termin beim TNESS (Therapienetz Essstörungen) ausgemacht um mir hier weitere Unterstützung zu holen. Diese erfolgt nun im Sinne einer “besonderen Versorgung” und läuft im Januar an.