Überlebensmodus

Überlebensmodus

Dass ich meine Routinen liebe und ungern von dem Gewohnten abweiche, war mir schon immer klar. Dass es aber sogar bedrohlich bis hin zu totaler Eskalation führen kann, wusste ich nicht.

Der Anlass war eigentlich total banal – wir haben uns einen Schlafzimmerschrank gekauft. Doch mir war nicht klar, dass er eben nicht an einem Tag mal “schnell” aufgebaut ist. Die Anleitung war extrem schwer zu verstehen, tausende von Schrauben und viele Löcher, nichts beschriftet.

Die Zeit verflog und schwupps war der Abend rum – mein Abend, der eigentlich nach gewohnten Mustern abläuft. Es blieb aber eben nicht bei einem Abend sondern noch einer, noch einer und noch einer. Und nicht nur ich war völlig neben der Spur, auch Maya. Sie war auch um ihre Routine gebracht. Meine / unsere gewohnte Abendroutine fiel weg und für mich damit ein großes Stück an Sicherheit und Halt.

Ich sah und fühlte nur noch Chaos – im Innen und im Außen. Ich schaltete um in den Überlebensmodus, einfach nur funktionieren. Gefühle fallen weg und damit auch die Angst, ich werde regelrecht taub. Allerdings ist es mir dann auch egal wann und wieviel ich esse – dabei arbeite ich an anderer Stelle gerade hart an dem Thema – mir ist egal ob der Müll überquillt, die Spülmaschine fertig ist und sich Geschirr stapelt, am Boden liegt überall Katzenstreu und vom Küchentisch ist nicht mehr viel sichtbar.

Doch dann war er fertig – der Schrank. Ich bin stolz dass wir es geschafft haben, froh dass alle Klamotten wieder ihren Platz haben und er gefällt mir super gut. So einen wollte ich schon immer.

Den ersten “gewohnten” Abend, haben Maya und ich sehr genossen. Heute bin ich ganz alleine auf einem großen Spaziergang und finde mich wieder und komme langsam wieder zu mir. Spüre wie wieder ein wenig Ressourcen frei werden. Und dennoch wird es noch etliche Tage dauern, bis mein Akku in dieser Hinsicht wieder geladen ist.

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