Wenn es zu viel ist und immer mehr wird

Wenn es zu viel ist und immer mehr wird

Es hat sich so eingeschlichen, dass ich hier und da mal keine Energie oder Lust für eine Aufgabe hatte, bzw vieles anderes meine Energie raubte,  z.B. der Schrankaufbau oder ein “therapeutisches” Gespräch mit meiner Kollegin, indem sie mir Herz ausschüttete inkl. aller Traumata die sie erlebt hat… Doch das was dadurch nicht erledigt wurde, wuchs an.

Das einzige, das ich wirklich gut schaffe ist die Arbeit. Ganz ab und zu kommen da auch Überforderungsgefühle hoch, doch durch die Unterstützung die ich dort bekomme ist das gut handlebar.

Zu Hause und was mich persönlich betrifft schaut es ganz anders aus. Was mich betrifft schaffe ich die Grundelemente – mich waschen, Haare waschen, Zähne putzen und ordentlich anziehen – mehr aber auch nicht. Was den Haushalt angeht wird es noch schlimmer – hier schaffe ich fast nichts, gerade mal, dass wir nicht im dreckigen Geschirr ersticken.

Ich hasse den Zustand, schäme mich sehr, doch es sind so viele Baustellen, dass ich nicht weiß wo ich anfangen soll. Es ist für mich ein riesiger Berg an unüberwindbarer Überforderung. Ich versuche den Berg an Aufgaben in kleine Brocken zu teilen, doch auch das funktioniert nicht wirklich, da ich all das andere immer noch sehe.

Das macht mich echt fertig. Und ist es nicht schon genug an Energie, die das alles zieht – kämpfe ich ja noch an psychischen Baustellen.

Beim Thema “Essen” bin ich gerade sehr nachlässig und bringe nicht die Energie auf, mich an all das zu halten was ich in der Ernährungsberatung besprochen habe. Ich esse viel zu viel, schaffe es nicht mal mehr zu Erbrechen, nehme dadurch stetig zu und fühle mich extremst unwohl in meinem Körper. Bei fast jedem Kleidungsstück werde ich daran erinnert, dass ich mich so gehen lasse. Gleichzeitig gibt mir das Essen Halt und gaukelt eine zu bewältigende Aufgabe vor.

Ebenso fehlt mir krass die Energie mich den Themen “Spannungsregulation “, “Selbstfürsorge ” und “Selbstverletzungen ” zu widmen. Ich lasse es einfach laufen, wehre mich gar nicht mehr gegen den Druck oder die Sucht. Es ist so verdammt  anstrengend dagegen zu halten.

Und so bekomme ich immer mehr Zweifel, Angst auch Wut und Frust, dass es nie besser wird und mein Leben einfach jetzt so ausschaut. Dass ich jetzt so ausschaue. Nicht mehr eckig und kantig, sondern rund und dick. Im Endeffekt kann beides abstoßend wirken – hoffe ich zumindest. Ich jedenfalls kann mich kaum im Spiegel ansehen ohne Ekel zu empfinden. Diese Rundungen, dieses “Große”, diese Ausmaße, dieses Fett,  dieses Frauliche…


Meine Therapeutin hat heute einen Satz gesagt, der mich sehr entlastet – “es ist verdammt schwer mit Ihren Erkrankungen zu leben.” Und da hat sie so recht. Es geht nicht darum, dass ich schon so lange Therapie mache und es besser wissen wüsste. Jeden Tag aufzustehen kostet einfach wahnsinnig viel Energie und kann nicht als selbstverständlich angesehen werden. Darauf kann ich schon stolz sein. Und dann gibt es eben Tage an denen ich kaum Ressourcen frei habe und es nur zur Arbeit reicht und eben zu nicht mehr. Dann bleibt der Haushalt eben liegen und die Fingernägel ungeschnitten.

Das hat mir gutgetan von außen zu hören, dass es wirklich so schwer ist. Oft denke ich ja es liegt an mir, ich strenge mich nicht genug an, setze zu wenig aus der Therapie um, müsste es doch besser wissen, arbeite zu wenig an mir, soll nicht immer so einen Scheiß machen… und was alles noch die inneren und äußeren Stimmen sagen.

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