Die Frage “Warum”
Ich war jetzt wieder mal 2 Wochen im Krankenhaus. Wieder hatte ich mich schwer verletzt und es musste Haut transplantiert werden.
Peter hat mich gefragt warum ich keine Skills angewendet habe oder warum sie nicht halfen. Freunde fragten warum ich mich so schwer verletzt habe. Sie dachten mir geht es doch gut, ich habe im Außen alles zum glücklich sein. Leider hat aber das eine mit dem anderen nichts zu tun. Nur weil ich im Außen alles habe, heißt das nicht dass ich nicht innerlich Krieg mit mir selber führe.
Also warum? Gute Frage. Im Ernst. Ich hab da viel und sehr intensiv drüber nachgedacht. Folgende Gedanken kamen mir dazu:
Ich verletze mich nicht nur aus Anspannung heraus. Eher war es wie das tägliche Dope das ich brauchte. Ich hab mich nicht jeden Tag verletzt, aber ich hab z.B. an den Wunden manipuliert, gezupft, infiziert o.ä. und sie damit am heilen gehindert. Mit dem geheimen Wissen – denn davon bekam im Außen keiner etwas mit – um die Wunden habe ich mich stark, unverwundbar und gleichgültig gefühlt. Es war als habe ich durch den täglichen “Schuss” einen dissoziativen Zustand aufrecht erhalten, in dem ich mich von den Gefühlen abgespalten habe.
Zu der schweren Verletzung kam es aus mehreren Gründen. Zum einen waren die alten Wunden verheilt, ich hatte also nichts mehr was mich “betäubt” und zum anderen gab es im Außen eine Situation mit der ich nicht zurecht kam. Und dann war es eine Kurzschlusshandlung. Im Anschluss folgte natürlich noch der positive Krankheitsgewinn.
Diese Überlegungen haben mich dann an früher erinnert, als ich noch in der Schule war und die soziale Phobie so schlimm war. Ich konnte nicht laut vorlesen, da mir immer die Luft weg blieb. Hatte ich aber Schnupfen, dann war das kein Thema. Schon da waren die Verknüpfungen “verletztsein = stark” / “verletztsein = taub” / “verletztsein = ich- kann- alles- aushalten”. Es gab im Verlauf auch noch weitere Beispiele. Einen der Übergriffe habe ich “überlebt” weil ich mich voll dem Gedanken hingegeben habe mich danach verletzen zu können. Diese Aussicht hat schon gereicht mich abzuspalten.
Letztendlich ist es eine Überlebensstrategie, die bewahrte mich von schlimmen Gefühlen und ließ mich Situationen überstehen, die ich sonst nicht ausgehalten hätte. Doch heute gibt es keine Bedrohung mehr, ich bin in Sicherheit und ich darf auch anfangen zu fühlen, das ist nicht mehr gefährlich. Und wenn ich anfange zu fühlen, dann muss ich auch nicht mehr in die Dissoziation flüchten. Und dann brauche ich auch kein SVV mehr für die Flucht und kann Skills eine Chance zum wirken geben.