Selbstfürsorge

Selbstfürsorge

Eigentlich ein einfaches Wort und doch kann die Umsetzung ein schier unüberwindbarer Berg sein. Für mich bedeutet Selbstfürsorge, dass ich mich um mich selbst kümmere, aber mich eben auch fürsorglich behandle. Dazu gehört auch, dass ich mich um meine Bedürfnisse kümmere. Doch da fängt das Problem oftmals schon an. Wie kann ich meine Bedürfnisse erfüllen? Wie lauten sie überhaupt? Wie kann ich sie erkennen? Selbst wenn ich sie erkenne, sie benennen kann, fällt mir die Umsetzung extrem schwer. Doch warum? Hier ein kleines – für mich jedoch echt schwieriges – Beispiel: Familientreffen in einer geräumigen Wirtschaft, viele Leute in einem Raum, sehr hoher Lärmpegel. Ich spüre wie es mir zu viel ist, ich mich nach Ruhe und Stille sehne. Ich spreche es auch aus, dass es mir zu laut ist, doch damit ist meine Aktion beendet. Ich hätte sehr leicht für ein paar Minuten an die frische Luft gehen können, zur Not hätte es auch die Toilette getan, aber ich habe nichts getan. Ich habe die Zähne zusammen gebissen, ausgehalten. Das ging dann so weit, dass ich am Ende des Tages völlig reizüberflutet, hoch angespannt und aggressiv war. Warum fällt es mir dermaßen schwer in dem Moment mich und mein Bedürfnis ernst zu nehmen und dem zu folgen?

  • Gewohnheit
  • Ich muss aushalten
  • Mir darf es nicht gutgehen
  • Ich darf nicht auffallen
  • Es könnte peinlich sein
  • Meine Bedürfnisse zählen nicht
  • Ich soll mich nicht so anstellen
  • Ich muss “brav” sein

Ich habe aber auch schon sehr früh verlernt auf mein Bauchgefühl zu hören, meinem Körper und dessen Bedürfnisse zu vertrauen. Ich habe mich als Schutz von den Empfindungen abgeschottet und weder Wünsche noch Bedürfnisse geäußert. Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit wurden zu einem grundsätzlichen Lebensgefühl und das eine oder andere Mal zu meinem Verhängnis. Ich habe schlicht verlernt meinen Empfindungen zu vertrauen und dann Entscheidungen zu treffen. Stattdessen habe ich gelernt auszuhalten, still zu halten, Zähne zusammen zu beißen.

Eine wunderbare Methode um mich den eigenen Empfindungen wieder zu nähern ist das Yoga. Ich beginne langsam mein Bauchgefühl zu spüren, ich habe nun eine Wahl und jederzeit die Kontrolle, z.B. auf welche Weise und wie lange ich eine Übung ausführe. Ich lerne durch solch kleine Entscheidungen, mein körperliches Befinden zu bestimmen und zu beeinflussen. Ermutigt durch solch kleine Entscheidungen erhoffe ich mir eine Übertragung auch auf andere Lebensbereiche in denen ich dann nicht mehr in den Automatismus verfalle auszuhalten sondern mich aktiv für mein Wohlbefinden einsetze.

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